Gunther von Hagens - Der Erfinder der Plastination

Dr. Gunther von Hagens, der Erfinder der Plastination, begann sein Medizinstudium 1965 an der Friedrich Schiller Universität im südwestlich von Leipzig gelegenen Jena. Während seiner Zeit als Assistenzarzt und Dozent an den Instituten für Pathologie und Anatomie, erfindet von Hagens zu Beginn seiner fast 20 Jahre währenden Tätigkeit an der Universität Heidelberg 1977 die Plastination, sein bahnbrechendes Verfahren zur Konservierung anatomischer Präparate mittels reaktiver Kunststoffe. „Im anatomischen Museum betrachtete ich eine Reihe von in transparenten Kunststoffblöcken eingebetteten Präparaten. Das war damals die fortschrittlichste Konservierungsmethode, bei der das Präparat in der Mitte eines durchsichtigen Kunststoffblocks positioniert wurde, anstatt ihn in die Zellen des Präparates selbst einzubringen, so dass das Präparat von innen heraus gehärtet und damit anfassbar würde. Dieses Problem löste ich mittels eines einfachen Tricks: ich erfand ein Vakuumverfahren, bei dem das Zellwasser im Vakuum durch Kunststoff ersetzt wird.“

Gunther von Hagens patentiert das Verfahren und wendet seither seine ganze Energie für die Verfeinerung der Methode auf. Bei der Plastination besteht der erste Schritt darin, die Verwesung aufzuhalten. „Ganze Körper werden mittels arterieller Injektion chemisch fixiert, kleinere Objekte in Formalin eingelegt. Nach der Präparation wird Zellwasser und lösliches Zellfett im Präparat mit einem Lösungsmittel wie Aceton ausgetauscht. Das Aceton wiederum wird anschließend mittels forcierter Vakuum-Imprägnierung durch reaktive Kunststoffen ersetzt.“, erklärt von Hagens. Nachdem das Präparat in die aus didaktischer und ästhetischer Sicht optimale Haltung gebracht wurde, erfolgt dann die Härtung, je nach Art des verwendeten Kunststoffs durch Gas, Wärme oder UV-Licht. Durch die Aushärtung werden die als Plastinate bezeichneten Präparate fest und dauerhaft haltbar. „Ich entwickle meine Erfindung beständig weiter, da vieles noch nicht möglich oder perfekt ist, so zum Beispiel die Plastination des lymphatischen und venösen Systems“, so von Hagens.

Bereits 1978 gründet von Hagens ein eigenes Unternehmen, BIODUR® Products, für den Vertrieb von Kunststoffen zur Plastination sowie von Geräten und technischen Hilfsmittel zur Herstellung von Plastinaten. Kunden sind medizinische Einrichtungen in aller Welt. Heute werden Biodur-Kunststoffe an über 400 Institutionen in 40 Ländern verwendet, die Gunther von Hagens Erfindung zur Konservierung anatomischer Präparate für die medizinische Ausbildung nutzen.

Im augenscheinlichen Bemühen, die Grenzen eines Lebens in Freiheit auszutesten, hat Dr. von Hagens unglaubliche Anstrengungen unternommen, zu reisen und seine Interessen weltweit zu vertreten. Er akzeptierte 1996 eine Gastprofessur an der Medizinischen Universität von Dalian in China und wurde Leiter des Plastinationsforschungszentrums der staatlichen medizinischen Akademie im kirgisischen Bishkek. Er gründete 2001 ein privates Unternehmen, die Von Hagens Dalian Plastination Ltd. im chinesischen Dalian, in dem derzeit 250 Mitarbeiter tätig sind. Im Jahr 2004 trat Dr. von Hagens eine Gastprofessur an der zahnmedizinischen Fakultät der New York University, College of Dentistry (NYUCD) an. Dort leitet er die Umstellung des Anatomieunterrichts. Anstelle der bisher verwendeten Formalinpräparate kommen nunmehr ausschließlich Plastinate zum Einsatz.

Gunther von Hagens' KÖRPERWELTEN-Ausstellungen sind zurzeit als Wanderausstellungen in Nordamerika und Europa zu sehen. Die KÖRPERWELTEN sind international bekannt als Gunther von Hagens’ BODY WORLDS: The Original Exhibition of Real Human Bodies.

Um mehr über Gunther von Hagens und die KÖRPERWELTEN-Ausstellungen zu erfahren, besuchen Sie www.koerperwelten.de